Was «gesund» überhaupt heisst
Schon der Begriff Gesundheit ist gar nicht so eindeutig, wie man meint. Die wohl bekannteste Beschreibung stammt von der Weltgesundheitsorganisation: Gesundheit ist demnach ein Zustand von körperlichem, geistigem und sozialem Wohlbefinden – und nicht nur das Freisein von Krankheit.1 Die WHO selbst versteht das übrigens als Leitsatz, nicht als exakte Definition.2
Wichtig ist die Richtung: Gesundheit ist mehr als ein Laborwert oder eine Zahl auf der Waage. Sie hat drei Seiten, die zusammenspielen.
Körperlich
Leistungsfähigkeit, Beweglichkeit, gute Verdauung, erholsamer Schlaf – dass dein Körper dich gut durch den Alltag trägt.
Geistig
Wie du dich fühlst und denkst – geprägt von deinen Werten, Überzeugungen und deiner Geschichte. Auch sehr persönlich.
Sozial
Essen verbindet: gemeinsame Mahlzeiten, Traditionen, Feiern. Ein grosser, oft vergessener Teil von Wohlbefinden.
Warum es kein Patentrezept gibt
Genau deshalb gibt es nicht DIE eine gesunde Ernährung. Was für die eine ideal ist, passt für die andere überhaupt nicht. Das hängt von ganz vielen Dingen ab:
- von deinem Körper: Verträglichkeiten, Allergien, Lebensphase, vielleicht den Wechseljahren;
- von Kultur, Region und Tradition – wo und wie du aufgewachsen bist;
- von deinen Überzeugungen und Vorlieben: ob du vegetarisch, vegan oder saisonal isst, ob du gerne kochst oder es schlicht mag;
- von deinem Alltag: Familie, Arbeit, Budget, Zeit.
Wer dir einen einzigen «perfekten» Plan verkauft, blendet all das aus. Und genau das macht starre Diäten so anstrengend – sie passen nie ganz zu deinem echten Leben.
Essen ist mehr als Nährstoffe
Eine Mahlzeit ist selten nur Treibstoff. Sie ist Genuss, Erinnerung, ein Anker im Tag, ein Anlass, zusammenzukommen. Das gemeinsame Essen am Sonntag, der Kaffee mit einer Freundin, das Lieblingsgericht aus der Kindheit – auch das gehört zu gesunder Ernährung dazu. Wenn Essen nur noch aus Verboten und Berechnung besteht, geht genau dieser Teil verloren.
Worauf es trotzdem ankommt
«Individuell» heisst nicht «egal». Bei aller Vielfalt gibt es eine Basis, auf die sich fast alle einigen können:
Die Basis, auf die es ankommt
- Alle essenziellen Nährstoffe abdecken – Eiweiss, gute Fette, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe. So beugst du Mängeln vor.
- Genug essen, nicht zu wenig. Dauerhaft zu knapp oder zu einseitig zu essen ist ein eigenes Risiko – nicht nur ein Zuviel.
- Mit den Jahren an die Muskeln denken. Genug Eiweiss und Bewegung helfen, Muskeln und Knochen zu schützen – mehr dazu in Teil 2 und Teil 7.
Qualität ist wichtig – aber auch, dass die Menge stimmt: genug, abwechslungsreich, dem Leben angepasst. Innerhalb dieser Basis darfst du herausfinden, was zu dir passt.
Das nimmst du mit
- Gesundheit hat drei Seiten: körperlich, geistig und sozial.
- Es gibt nicht DIE eine gesunde Ernährung – sie ist hochgradig individuell.
- Essen ist auch Genuss, Kultur und Verbindung, nicht nur Nährstoffe.
- Die Basis: alle essenziellen Nährstoffe decken und genug essen.
- Innerhalb dieser Basis darfst du deinen eigenen Weg finden.
Deinen eigenen Weg finden
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Quellen
- WHO. Constitution of the World Health Organization. Genf; 1948.
- Franzkowiak P, Hurrelmann K. Gesundheit. In: BZgA (Hrsg.). Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention. 2022.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Referenzwerte für die Proteinzufuhr. DGE aktuell, 08/2017.